Was ist Zellulite?
Früher nannte man Zellulite auch Orangenhaut oder Zellulitis. Letztere Bezeichnung ist jedoch nicht ganz richtig, da es übersetzt „Entzündung des Zellgewebes" heißen würde. Bei der Zellulite handelt es sich jedoch nicht um eine Entzündung, sondern um einen Stauungszustand und Veränderungen des Bindegewebes in der Unterhaut. Als Folge kommt es darüber hinaus zu einer Mangeldurchblutung und damit verbundenen Veränderungen in den darüberliegenden Hautschichten.
Die Zellulite ist ein Syndrom, das heißt, sie entsteht durch die Kombination mehrerer verschiedener Faktoren. Es kommt hierbei zu einer vermehrten Einlagerung von Wasser in das Bindegewebe der Unterhaut. Werden dieses Wasser und die dort vorhandenen Fettzellen nicht mehr ausreichend von den Bindegewebsfasern „zusammengehalten", bilden sich vor allem an den Körperpartien, die besonders viel Unterhautfettgewebe besitzen unschöne Dellen und Beulen, die an die nicht mehr ganz frische Schale einer Orange erinnern. Bei der Frau sind vor allem Oberschenkel, Po, Bauch und Oberarme betroffen. Beim Mann ist es meist nur der Bauch, denn lediglich etwa ein Prozent der Männer bekommt eine Zellulite an den bei der Frau typischerweise betroffenen Körperregionen.
Um die Entstehung der Zellulite genauer zu verstehen, soll zunächst einmal ein Blick auf den Schauplatz des Geschehens geworfen werden, nämlich auf die Haut.
Die Haut
Mit einer Fläche von bis zu zwei Quadratmetern und einem Gewicht bis zu zehn Kilogramm ist die Haut unser größtes Organ. Sie ist unsere Abgrenzung, aber auch Verbindung zur Umwelt und hat dementsprechend eine ganze Reihe von Funktionen:
• Schutz: Dieser wird insbesondere durch den sauren pH-Wert (ungefähr pH 4,5) der Haut gewährleistet. Der so genannte Säureschutzmantel hemmt das Wachstum von Keimen auf der Haut. Die Haut schützt den Körper aber auch vor Schlägen und Stößen.
• Sinnesorgan: Die Haut enthält zahlreiche verschiedene Rezeptoren für Temperatur, Berührung und Schmerz.
• Regulation von Körpertemperatur und Wasserhaushalt: Durch Verengung oder Erweiterung der Blutgefäße und den Grad der Schweißproduktion werden Temperatur und Wasserausscheidung geregelt.
• Ausscheidungsorgan: Über die Schweißdrüsen können auch Giftstoffe mit ausgeschieden werden. Zudem sieht man es einem Menschen im wahrsten Sinne des Wortes an, wenn er innerlich mit bestimmten körperlichen oder seelischen Belastungen nicht fertig wird. Der Hautstoffwechsel verändert sich dann so, dass es beispielsweise zu einer Akne, zu Ekzemen oder Pigmentstörungen kommen kann.
• Bildung des lebenswichtigen Vitamin D unter Einfluß von UV-Licht.
Der Aufbau der Haut
Die Haut wird in drei Schichten unterteilt:
• Oberhaut (Epidermis)
• Lederhaut (Korium)
• Unterhaut (Subcutis)
Die Oberhaut (Epidermis), die nochmals in vier bis fünf Schichten, je nach Hautregion, aufgeteilt wird, ist die äußerste Schicht der Haut. Sie enthält keine Blutgefäße, sondern die so genannten Hornzellen, die das Eiweiß Keratin produzieren. Dieses Keratin bildet zusammen mit den abgestorbenen Hornzellen sowie ebenfalls in der Oberhaut hergestellten öl-ähnlichen Substanzen die Hornschicht, welche die eigentliche Trennschicht des Körpers zur Umwelt darstellt. Aber auch die Bildung von Melanin, dem UV-Schutzpigment, findet in der Oberhaut statt. Die unter der Oberhaut liegende Lederhaut (Korium) trägt diesen Namen, weil bei den Tieren hieraus das Leder gegerbt wird. Der obere Teil der Lederhaut besteht aus lockerem Bindegewebe mit elastischen Fasern, der untere Teil aus festerem Bindegewebe mit kollagenen und elastischen Fasern. Die Lederhaut gewinnt durch diese Fasern gleichzeitig Elastizität und Stabilität. Sie enthält im Gegensatz zur Oberhaut Blutgefäße (Kapillaren), Haarwurzeln, Nerven, Talgdrüsen, Schweißdrüsengänge sowie bereits etwas Fettgewebe.
Die Unterhaut (Subcutis) bildet die Übergangsschicht zum angrenzenden Muskelgewebe. Sie besteht aus lockerem Bindegewebe einschließlich Fettgewebe und enthält zudem die Schweißdrüsen, Haarbälge, Talgdrüsen und Tastkörperchen. Das Unterhautfettgewebe schützt den Körper vor Stößen und Kälte. Außerdem dient es als Hauptenergiespeicher. Und es ist der Ort, wo sich die Zellulite bildet. BMI Rechner
Das Bindegewebe
Maßgeblich beteiligt an der Entstehung der Zellulite ist das Bindegewebe der Unterhaut. Dieses enthält im weiblichen Körper wesentlich mehr Fettgewebe als im männlichen, was vor allem damit zu erklären ist, dass die Frau während einer Schwangerschaft größeren Belastungen der Haut ausgesetzt ist und dass sie in dieser Phase vor Druck und Stoß geschützt werden muss.
Geht man weiterhin davon aus, dass jede Fettzelle gleichzeitig auch noch Wasser bindet und, wie wir später sehen werden, das weiblichen Bindegewebe im Vergleich zum männlichen wesentlich lockerer und weniger straff aufgebaut ist, ist es nicht mehr verwunderlich, dass in erster Linie Frauen unter der Zellulite zu leiden haben.
Der Aufbau des Bindegewebes
Im Bindegewebe ist der Anteil der Zellen gegenüber der Substanz zwischen den Zellen sehr gering. Die einzelnen Zellen liegen in der Regel recht weit auseinander. Bei der Zwischenzellsubstanz unterscheidet man wiederum grob zwischen Grundsubstanz und Bindegewebsfasern. Das Bindegewebe füllt Hohlräume zwischen Organen aus, bildet aber auch die Sehnen und Bänder. Man unterscheidet nach Funktion und Zusammensetzung:
• Lockeres Bindegewebe
• Straffes Bindegewebe
• Netzartiges (retikuläres) Bindegewebe
• Fettgewebe
Das lockere Bindegewebe hat in erster Linie die Funktion eines Stützgerüstes (Stroma), das den Organen im Körper ihre Form gibt. Es ist Bestandteil der Unterhaut und füllt Hohlräume zwischen und in den Organen. Das lockere Bindegewebe enthält wenige, vor allem kollagene Fasern, ist aber reich an Zellen, z.B. den Abwehr- und Entzündungszellen. Für den Wasserhaushalt spielt es eine wichtige Rolle, da es in der Lage ist, sehr viel Wasser zu speichern. Diese Eigenschaft ist aber leider auch eine der Voraussetzungen für die Zellulite.
Das straffe Bindegewebe besteht größtenteils aus Kollagenfasern und wird unterteilt in das geflecht- oder netzartige und das parallel-faserige Bindegewebe. Letzteres bildet die Sehnen und Bänder. Das netzartige (retikuläre) Bindegewebe ist dem embryonalen Bindegewebe noch sehr ähnlich. Es bildet ein dreidimensionales Netzwerk aus sternförmigen Retikulumzellen und anliegenden Gitterfasern (retikuläre Fasern). Das netzartige Bindegewebe hat vor allem die Aufgabe, Gewebstrümmer, Fremdkörper und Mikroorganismen abzubauen. Weitere Funktionen sind Aufnahme und Speicherung von Flüssigkeiten sowie der Auf- und Abbau organischer Stoffe. Das Fettgewebe ist eine Sonderform des retikulären Bindegewebes. Es besteht aus Fettzellen und Gitterfasern (retikuläre Fasern). Man unterscheidet zum einen das Speicherfett und zum andern das Baufett. Das Speicherfett oder auch Depotfett ist vor allem im Unterhautbindegewebe zu finden. Es bildet nahezu den gesamten Energievorrat des menschlichen Körpers. Die Speicherung von Fett wird dadurch ermöglicht, dass Fettzellen in der Lage sind, ihr Volumen bis auf das Zehnfache zu vergrößern. Die Zahl der Fettzellen wird wiederum weitestgehend in der Kindheit und Pubertät festgelegt. Frauen haben im Durchschnitt fünf bis sechs Kilogramm mehr Körperfett als Männer. Es dient als Reserve in der Schwangerschaft und Stillzeit. Das so genannte Baufett hat die Funktion, die Organe in ihrer Position im Körper zu halten. Dies ist z.B. bei den Augäpfeln oder den Nieren der Fall. Beim Säugling ist das Baufett auch in den niedlichen Pausbacken eingelagert und soll dort verhindern, dass die Wangen beim Saugen einfallen. Das Baufett wird auch bei längeren Hungerkuren erst ganz zuletzt angegriffen.
Bindegewebsfasern
Man unterscheidet hier kollagene, elastische und retikuläre Bindegewebsfasern.
• Kollagene Fasern: Der Ausdruck kollagen = leimgebend rührt daher, dass kollagene Fasern aus Knochen beim Kochen verquellen und Leim bzw. Gelatine abgeben. Kollagene Fasern haben eine hohe Zugfestigkeit und Elastizität, die durch ihren scherengitterartigen Aufbau erzielt wird. Sie kommen vor allem in den Sehnen, den Faserknorpeln (z.B. im Meniskus), im Kniegelenk und Knochen, aber auch in der Haut vor. Das Kollagen kann bis zu einem Drittel des Gesamtgewichts des Menschen ausmachen. Im Laufe des Lebens werden die Kollagenfasern starrer und unelastischer, was durch Austrocknung und Faltenbildung auf der Haut sichtbar wird. Dieser Prozess wird durch häufiges Sonnenbaden, aber auch durch Gefäßgifte wie Nikotin und Koffein beschleunigt.
• Elastische Fasern: Die elastischen Fasern lassen sich im Gegensatz zu den kollagenen Fasern stark dehnen. Nach einer Belastung nehmen sie wie ein Gummiband wieder ihre ursprüngliche Form und Länge an. Elastische Fasern kommen vor allem in stark durch Dehnung beanspruchten Geweben und Organen wie der Haut, der Lunge und den Arterien vor. Die Elastizität der Haut wird zu einem großen Teil von den elastischen Fasern bedingt.
• Retikuläre Fasern (Gitterfasern): Die retikulären Fasern sind feine Gitterfasern, die überwiegend Biegungselastizität besitzen. Sie sind chemisch mit den kollagenen Fasern verwandt und kommen z.B. im roten Knochenmark und den Lymphorganen vor. Und sie spinnen ein feines Geflecht um Muskelfasern und Fettzellen, so auch im Unterhautfettgewebe.